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Wann genau soll eigentlich ein Scheidungsantrag gestellt werden?

Nach deutschem Familienrecht muss vor Einreichung eines Scheidungsantrags grundsätzlich das Trennungsjahr abgewartet werden, wobei die Trennung auch innerhalb der ehelichen Wohnung erfolgen kann. Mit den steigenden Mieten kommt dies zunehmend häufiger vor, diese Form der Trennung muss jedoch etwas ausführlicher im Scheidungsantrag dargestellt werden.

Das Trennungsjahr muss im Termin zur mündlichen Verhandlung abgelaufen sein. Dies bedeutet, dass der Scheidungsantrag bereits 10 bis 11 Monate nach der Trennung eingereicht werden kann. Dies ist insbesondere dann möglich, wenn der Versorgungsausgleich (also der Ausgleich der in der Ehezeit erworbenen Rentenanrecht der Eheleute) geregelt werden muss. Hierfür benötigen die Rentenversorgungsträger (DRV, Versicherungen, Betriebe…) zumeist 3 - 6 Monate.

Von einer zu frühen Einreichung des Scheidungsantrags ist aber dringend abzuraten, da ansonsten die Gefahr einer kostenpflichtigen Abweisung des Scheidungsantrags besteht.

Das Trennungsjahr muss im Übrigen auch bei einer kurzen Ehedauer abgewartet werden. Wer also am nächsten Morgen nach der Hochzeit die Wahl des Ehegatten bereut muss ebenso das Trennungsjahr abwarten.

Nur in Ausnahmefällen muss das Trennungsjahr nicht abgewartet werden, dies ist in § 1565 II BGB geregelt: nämlich dann, wenn es für einen der Eheleute nicht zumutbar ist, den Ablauf des Trennungsjahres abzuwarten und weiter verheiratet zu sein. Das Gesetz stellt an die unzumutbare Härte hohe Anforderungen, die bewiesen werden muss.

Die Gründe für die unzumutbare Härte müssen in der Person des anderen Ehegatten liegen, bspw.: die Ehefrau ist von einem anderen Mann schwanger, schwere Alkoholabhängigkeit, ggf. verbunden mit Gewalttätigkeiten, sexueller Missbrauch, Ehefrau geht der Prostitution nach etc. Diese Gründe müssen vom antragstellenden Ehegatten bewiesen werden, die Familiengerichte sind eher zurückhaltend mit einer Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres.

Eine Aufhebung der Ehe kommt in der Praxis sehr selten vor. Dies ist bspw. möglich, wenn jemand im Zustand der Bewusstlosigkeit geheiratet hat, oder bei der Eheschließung nicht wusste, dass es sich um eine Eheschließung handelt, etc. Hauptanwendungsfall ist die sog. Scheinehe, wenn die Eheleute zwar geheiratet haben, aber keine Ehe führen wollten.